Schlagwort-Archiv: 20. Jahrhundert

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Surrealismus

Der Surrealismus war eine künstlerische und literarische Bewegung des 20. Jahrhunderts, die sich vom psychoanalytischen Begriff des Unbewussten inspirieren ließ. In Bezug auf den Traum als Reservoir des Unbewussten, als originäre kreative Quelle bezog allerdings von Mitte bis Ende der 40er Jahre eine eher obskure Züricher Künstlergruppe gänzlich andere Positionen als die Surrealisten. Die Bewegung der Surrealisten versuchte, das Unbewusste darzustellen, indem sie Traum und Realität miteinander verschmelzen ließ. Es werden absolut reale Dinge in völlig abstrusen Zusammenhängen dargestellt, so dass es dem Betrachter kaum mehr möglich ist zwischen Traum und Realität zu unterscheiden.

Das Wort „Surrealismus“ bedeutet wörtlich „über den Realismus“ oder „jenseits des Realismus“. Die vom französischen Schriftsteller und Kritiker Andre Breton seit 1921 in Paris geführte surrealistische Bewegung suchte die eigene Wirklichkeit des Menschen im Unbewussten und verwertete Rausch- und Traumerlebnisse als Quelle der künstlerischen Eingebung, und sie bemühte sich darum, das Bewusstsein und die Wirklichkeit global zu erweitern und alle geltenden Werte umzustürzen. Sie ist daher eine anarchistische revolutionäre Kunst- und Weltauffassung.

Realismus

Der Ausdruck Realismus bezeichnet:

In der Kunst- und Literaturgeschichte

  • in Kunst und Literatur einen wirklichkeitsnaher Darstellungsstil.
  • in der Literatur verschiedene Strömungen (Siehe: Realismus (Literatur)), darunter
    • Realismus im 19. Jahrhundert
    • magischer Realismus, eine künstlerische Strömung in den 1920er Jahren
    • sozialistischer Realismus, die dominierende Stilrichtung in der Sowjetunion, in der VR China bis 1978 und im Ostblock
  • in der bildenden Kunst mehrere Bewegungen (Siehe: Realismus (Kunst)), darunter:
    • Realismus als wichtige Kunstbewegung des 19. Jahrhunderts
    • magischer Realismus, eine künstlerische Strömung in den 1920er Jahren
    • sozialistischer Realismus, die dominierende Stilrichtung in der Sowjetunion, in der VR China bis 1978 und im Ostblock.
    • Phantastischer Realismus, eine vom Surrealismus beeinflusste Stilrichtung, aufgekommen nach dem Zweiten Weltkrieg vornehmlich in Deutschland und Österreich
    • Hyperrealismus, eine in den 1970er Jahren aufgekommene Strömung, die Photorealismus anstrebt

Neue Sachlichkeit

Neue Sachlichkeit ist die Bezeichnung für eine Stilrichtung in der Malerei, Literatur und Architektur, die vor allem in den 1920er Jahren von Bedeutung war. Der Begriff wurde von dem Kunstkritiker Gustav Friedrich Hartlaub anlässlich einer retrospektiven Ausstellung 1925 in Mannheim geprägt. Die Neue Sachlichkeit lässt sich kunsthistorisch als Bindeglied zwischen Expressionismus, Dadaismus und Surrealismus verstehen und übte starken Einfluss auf den Sozialistischen Realismus aus.

Konstruktivismus

Konstruktivismus , von lateinisch constructio, „Zusammenfügung“, „Bau“.

Als streng gegenstandslose Stilrichtung der Malerei der Moderne in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts baut der Konstruktivismus der in Russland entwickelt wurde – ebenso wie der niederländische De Stijl – auf dem Suprematismus russischer Maler wie Kasimir Malewitsch (1878-1935) auf. Charakteristisch ist ein einfaches geometrisches Formenvokabular wie auf dem berühmten Bild Schwarzes Quadrat auf weißem Grund. Die neue Kunstrichtung, der in den theoretischen Manifestationen auch ein gesellschaftliches Moment innewohnte, hatte auch Einfluss auf die zeitgenössische Plastik und Architektur. Obwohl der Versuch, Kunstobjekte mittels mathematisch fundierter Konstruktionen zu erstellen, nicht neu ist (vgl. * Goldener Schnitt), wird der Terminus Konstruktivismus im Allgemeinen nur für moderne Kunst gebraucht, zumeist in Verbindung mit geometrischen Abstraktionen und technoiden Gestaltungsformen. Der Konstruktivismus ist eine Ausdrucksform der abstrakten Kunst, parallel zum * Dadaismus in den 1920er Jahren. Die Anhänger des Konstruktivismus vertraten ein geometrisch-technisches Gestaltungsprinzip mit meist großen Farbflächen und geometrischen Grundformen.

Die Architektur galt dem Konstruktivismus gleichsam als „Mutter aller Künste“. Der Name Konstruktivismus soll 1913 erstmals für abstrakte Reliefkonstruktionen Wladimir Tatlins sowie für Werke des russischen Malers Kasimir Malewitsch verwendet worden sein, der im so genannten programmatischen Nullpunkt auf ein weißes Quadrat ein schwarzes „vollkommenes“ Viereck malte und umgekehrt (s. * Suprematismus). Die Künstler des Konstruktivismus bezeichneten sich selbst als „Bildner“ und lehnten naturalistische „Nachbildungen“ kategorisch ab.

Der russische Konstruktivismus weist nach dem Umsturz von 1917 aufgrund der revolutionären politischen Situation oft propagandistische Züge auf. So baute man 1920 in Petrograd nach den Entwürfen Tatlins ein 30 m hohes Holzobjekt als Modell für einen geplanten, aber nie realisierten 400 m hohen Stahlgerüst-Pavillon, der ein Monument der III. Kommunistischen Internationale werden sollte. Es war vorgesehen, die einzelnen Teile wie die beweglichen Sphären eines Planetariums zu konstruieren. In dem 1920 von Tatlin und den Brüdern Pevsner mit staatlicher Unterstützung veröffentlichten Manifest wurden der konstruktive Realismus und die Kinematik als Gestaltungsprinzipien hervorgehoben. Da, wie Lenin meinte, die Kunst nur dann politisch verwertbar sei, wenn sie auch von der Allgemeinheit verstanden und akzeptiert werde, erfolgte in Russland eine Ablöse des Konstruktivismus durch den * Sozialistischen Realismus. Abgesehen von seinem russischen Ursprung, wurde der Konstruktivismus auch von den Künstlervereinigungen * de Stijl, * Bauhaus und von der * konkreten Kunst beeinflusst. Die auf der russischen Ausgangsbasis aufbauende Strömung wird analytischer Konstruktivismus genannt.

Wie Malewitsch malten z. B. auch Josef Albers, Lyonel Feininger und Victor Vasarely streng geometrische Formen. Auch Max Bill, Richard Paul Lohse und Barnett Newman vertraten das konstruktive Prinzip. Oskar Schlemmer wurde für seinen figuralen Konstruktivismus bekannt. Die der englischen Gruppe „Unit one“ angehörenden Maler sympathisierten mit dem Konstruktivismus, bevorzugten aber weniger gebundene Formen. Der Konstruktivismus war eine der frühen Strömungen moderner Kunst, mit der sich eine große Anzahl Bildender Künstler auseinandersetzte.

 

Expressionismus

Der Expressionismus (lat. expressio = Ausdruck) war eine künstlerische und literarische Bewegung des 20. Jahrhunderts, bei der die expressive Ebene gegenüber der ästhetischen, appellativen und sachlichen Ebene überwiegt, was sich dadurch ausdrückt, dass der Künstler versucht, sein Erlebnis für den Betrachter darzustellen.


Expressionistische Architektur ist ein fast ausschließlich deutsches Phänomen, das in den Jahren nach dem I. WeltkriegAdolf Behne die Architektur Bruno Tauts in der Zeitschrift Pan mit der aktuellen Entwicklung der Malerei verglichen und sie dem innersten Sinn nach "expressionistisch" genannt. Viele der Architekten waren vorher vom Deutschen Werkbund und vom Jugendstil geprägt, die meisten wandten sich später dem Neuen Bauen zu.

Im Gegensatz zur Neuen Sachlichkeit nutzte die expressionistische Architektur runde und gezackte Formen.

Backsteinbauten sind besonders typisch für die expressionistische Architektur. Daneben kommt auch Beton zum Einsatz. Mit dem um 1920 noch recht neuen Baumaterial wurde in allen Stilrichtungen der Zeit viel experimentiert. Dem Expressionismus kamen besonders die Möglichkeiten geschwungener Formen entgegen. Auch der Einsteinturm in Potsdam vermittelt den Eindruck, aus Beton geformt zu sein und war so auch geplant. Tatsächlich wurde er aber gemauert und dann verputzt – wahrscheinlich machte die Verschaltechnik noch zu große Probleme.

Auffällig ist der Hang zum Gesamtkunstwerk in fast allen Bauten und Inneneinrichtungen. Häufig wurden auch Skultpturen, insbesondere als Relief, in die Architektur einbezogen. Auch der junge Film bot Raum für Architekturphantasien, so baute Hans Poelzig 1920 die Filmarchitektur für "Golem". Viele expressionistische Entwürfe blieben aber ungebaute Utopie.

Stil: Stilepochen vom 15. bis 20. Jahrhundert

Hier können Sie sich genauer über die einzelnen Stilepochen vom 15. bis 20. Jahrhundert informieren. Die Inhalte sind von der Wikipedia und Fachliteratur inspiriert und erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit.

Art Deco

Art Deco (1925-1940)

Im Jahre 1925 wurde eine Ausstellung in Paris unter dem Namen Exposition Internationale des Arts Decoratifs durchgeführt, deren Titel später für den dort vorherrschend gezeigten Stil übernommen wurde: Art Deco. Die Ausstellung ging zurück auf eine Initiative führender französischer Künstler, die 1901 die Societ des Artistes Decorateurs gegründet hatten, und war ursprünglich, durch den 1. Weltkrieg verzögert, schon für 1915 geplant.

Dem Art Deco fehlt ein eindeutiges, zugrundeliegendes Stilmerkmal oder eine stilbildende Anschauung. Vielmehr handelt es sich, inmitten des generellen Aufbruchs der Klassischen Moderne, um eine gestalterische Verbindung von Eleganz der Form, Kostbarkeit der Materialien, Stärke der Farben und Sinnlichkeit der Thematik. Vieles davon war schon im Jugendstil angelegt vor allem im französischen, wo man im Überflüssigen das Notwendige sah: ?le superflu chose la plus necessaire.

Ein Ursprung des Art Deco lag in der Gründung der Wiener Werkstätte durch die Secessionskünstler Josef Hoffmann und Koloman Moser und den Industriellen Fritz Wärndorfer im Jahre 1903. Ihrerseits beeinflusst durch die geradlinigen Formen des englischen und schottischen Jugendstils um Charles Robert Ashbee, Charles Rennie Mackintosh und Mackay-Hugh Baillie-Scott, nahmen Hoffmann und Moser mit ihren orthogonalen Entwürfen für elegante Inneneinrichtungen vieles von dem vorweg, was noch in den späten 20er und 30er Jahren als modern gelten konnte. Mit dem Eintritt von Dagobert Peche im Jahre 1915 war der Weg der Wiener Werkstätte hin zum Art Deco endgültig festgelegt.

Das Zentrum des Art Deco war jedoch ohne Frage die Metropole Paris. Die großen Couturiers wie Jacques Doucet und Paul Poiret gaben durch innovative Modeentwürfe die Vorgaben und wirkten vor allem mäzenatisch durch ihre Sammlungen und die Vergabe von Inneneinrichtungs-Aufträgen.

Seine Ideen bzw. Anregungen bezog der Art Deco aus allen auch den ihm entgegengesetzten Entwicklungsrichtungen der Moderne, die in Paris wie an keinem anderen Ort gebündelt waren: die Farben der Fauves um Henri Matisse; das Aufsplittern der Formen im Kubismus von Georges Braque und Pablo Picasso; die Verehrung der Technik durch die Futuristen um Umberto Boccioni; und sogar den auf Ornament verzichtenden Funktionalismus.

Paul Iribe und andere führten den Art Deco in den USA ein, wo er sich über die Architektur, das Musical und den Film rasch entfaltete. In Frankreich selbst wurde der Stil nicht nur über umfassende Ausstellungen, sondern über neugegründete Einrichtungshäuser und die Entwurfsabteilungen einiger Warenhäuser wie Desny, Dominique und die Societ? DIM (Decoration Interieure Moderne) verbreitet. Bei den qualitätvollsten Werken, etwa solchen des größten französischen Möbelentwerfers und Perfektionisten Jacques-Emile Ruhlmann, oder jenen der Silberschmiede Jean Puiforcat und Tatard, hält sich die Ornamentierung zugunsten klarer Formen und der reinen Oberflächenwirkung der Materialien zurück. Bei Porzellan- und Keramikdekoren, Stoffen, Plakaten und auch bei Bucheinbänden kontrastieren starke, reine Farben miteinander.

Ein Beispiel für eine geschlossene Stadtanlage im Stil des Art Deco ist Napier (Neuseeland) das in den dreißiger Jahren nach einem Erdbeben wieder aufgebaut wurde.

Das Berliner Renaissance-Theater ist das einzige vollständig erhaltene Art-Deco-Theater Europas.

Dem Art Deco bereitete der Zweite Weltkrieg in Europa ein jähes Ende; die Stimmung der unmittelbaren Nachkriegszeit war solchem Luxus nicht gemäß.

Jugendstil

Jugendstil (1890-1910)

Der Jugendstil ist eine kunstgeschichtliche Epoche um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Weitere Bezeichnungen sind Art Nouveau, Modern Style, Modernismo, Stile Liberty oder Wiener Secession.

Der Begriff ist nur im deutschsprachigen Raum, den Niederlanden und in Lettland in mode, so benannt nach der 1896 gegründeten Münchner illustrierten Kulturzeitschrift Die Jugend. Dabei ist dieser Begriff in seinem heutigen relativ wertfreien Sinne durch die spätere kunstgeschichtliche Rezeptionsliteratur geprägt worden. Beim Aufkommen des Begriffs um 1901 wird der Jugend- und Secessionsstil in den einschlägigen Zeitschriften (‚Dekorative Kunst‘, Autoren: Hermann Muthesius, Julius Meier-Graefe) als kritisches Etikett für die modische Popularisierung und die dabei als karikierend empfundene Nachahmung der neuen Formen in den (Einzel-)Werken von Künstlern wie etwa van de Velde durch die Industrie mit ihrer (‚billigen‘) kunstgewerblichen Massenproduktion verwendet.

Äußerlich kennzeichnende Elemente des Jugendstils sind dekorativ geschwungene Linien sowie flächenhafte florale Ornamente und die Aufgabe von Symmetrien.

Bei solchen formalen Klassifizierungen darf allerdings nicht übersehen werden, dass der 1895 und 1900 keineswegs eine so geschlossene Bewegung war, wie die Bezeichnung ‚Jugendstil‘ heute bei uns den Anschein erwecken mag. Es handelt sich um eine Reihe von teilweise auch sehr divergierenden Strömungen innerhalb Europas, die sich allenfalls in der Abkehr vom Historismus wirklich ‚einig‘ waren, also der Ablehnung der bis dato gängigen Praxis der Nachahmung historisch überlieferter Formvorbilder.

Mit dem Jugendstil verbinden sich zahlreiche künstlerische Programme und Manifeste. Er steht im heutigen Verständnis unter anderem auch für große gesamtkünstlerische Gestaltungen, wie etwa dem Palais Stoclet in Brüssel, in der alles vom äußeren Bauwerk bis zur dekorativen Innenausstattung im einheitlichen Sinne durchgestaltet wurde. Damit wurde auch die Forderung nach der großen Verschmelzung von ‚Kunst und Leben‘ verknüpft, der Wiedereinbeziehung der Kunst in das Alltägliche, im Sinne einer umfassenden künstlerischen Neugestaltung aller alltäglichen Dinge, wobei den dekorativen Künsten ein ganz besonderes Gewicht zukam. In diesem Punkt knüpfte der Jugendstil allerdings an den Historismus an, der bereits das „Gesamtkunstwerk“ zum Programm erhoben hatte. Zugleich war dies der programmatische Gegenentwurf zur Abgehobenheit und Abgesondertheit auratischer Kunstwerke in der reinen Sphäre der sogenannten ‚hohen‘ oder Bildenden Kunst.

Zur Programmatik des Jugendstils gehörte aber auch die Forderung nach Funktionalität und Ausdruck der Funktion in der Erscheinung der Dinge, dass also die Funktionen eines Gebäudes auch dessen Gestaltung sichtbar bestimmen sollte. So beispielsweise sollten die Fassaden nicht länger symmetrisch und von axialen Aufteilungen bestimmt sein müssen, sondern einer aus dem Grundriss entwickelten Raumvorstellung folgen dürfen. Insgesamt gehört die Abkehr von den historischen Bauformen und die intensive Suche nach neuen dekorativen Gestaltungsmöglichkeiten in Architektur und Kunstgewerbe zum erklärten Programm vieler Künstler des Jugendstils. Eines der zentralen Fragen des Jugendstils war in gewisser Weiterführung der Stildebatten des 19. Jahrhunderts die Frage nach dem sog. ‚modernen‘ Stil, dem ‚Stil unserer eigenen Zeit‘.