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Antiquitäten vom Niederrhein Freitag, 30. Juli 2010
 
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Art Deco

Art Deco (1925-1940)

Im Jahre 1925 wurde eine Ausstellung in Paris unter dem Namen Exposition Internationale des Arts Decoratifs durchgeführt, deren Titel später für den dort vorherrschend gezeigten Stil übernommen wurde: Art Deco. Die Ausstellung ging zurück auf eine Initiative führender französischer Künstler, die 1901 die Societ des Artistes Decorateurs gegründet hatten, und war ursprünglich, durch den 1. Weltkrieg verzögert, schon für 1915 geplant.

Dem Art Deco fehlt ein eindeutiges, zugrundeliegendes Stilmerkmal oder eine stilbildende Anschauung. Vielmehr handelt es sich, inmitten des generellen Aufbruchs der Klassischen Moderne, um eine gestalterische Verbindung von Eleganz der Form, Kostbarkeit der Materialien, Stärke der Farben und Sinnlichkeit der Thematik. Vieles davon war schon im Jugendstil angelegt vor allem im französischen, wo man im Überflüssigen das Notwendige sah: ?le superflu chose la plus necessaire.

Ein Ursprung des Art Deco lag in der Gründung der Wiener Werkstätte durch die Secessionskünstler Josef Hoffmann und Koloman Moser und den Industriellen Fritz Wärndorfer im Jahre 1903. Ihrerseits beeinflusst durch die geradlinigen Formen des englischen und schottischen Jugendstils um Charles Robert Ashbee, Charles Rennie Mackintosh und Mackay-Hugh Baillie-Scott, nahmen Hoffmann und Moser mit ihren orthogonalen Entwürfen für elegante Inneneinrichtungen vieles von dem vorweg, was noch in den späten 20er und 30er Jahren als modern gelten konnte. Mit dem Eintritt von Dagobert Peche im Jahre 1915 war der Weg der Wiener Werkstätte hin zum Art Deco endgültig festgelegt.

Das Zentrum des Art Deco war jedoch ohne Frage die Metropole Paris. Die großen Couturiers wie Jacques Doucet und Paul Poiret gaben durch innovative Modeentwürfe die Vorgaben und wirkten vor allem mäzenatisch durch ihre Sammlungen und die Vergabe von Inneneinrichtungs-Aufträgen.

Seine Ideen bzw. Anregungen bezog der Art Deco aus allen auch den ihm entgegengesetzten Entwicklungsrichtungen der Moderne, die in Paris wie an keinem anderen Ort gebündelt waren: die Farben der Fauves um Henri Matisse; das Aufsplittern der Formen im Kubismus von Georges Braque und Pablo Picasso; die Verehrung der Technik durch die Futuristen um Umberto Boccioni; und sogar den auf Ornament verzichtenden Funktionalismus.

Paul Iribe und andere führten den Art Deco in den USA ein, wo er sich über die Architektur, das Musical und den Film rasch entfaltete. In Frankreich selbst wurde der Stil nicht nur über umfassende Ausstellungen, sondern über neugegründete Einrichtungshäuser und die Entwurfsabteilungen einiger Warenhäuser wie Desny, Dominique und die Societ? DIM (Decoration Interieure Moderne) verbreitet. Bei den qualitätvollsten Werken, etwa solchen des größten französischen Möbelentwerfers und Perfektionisten Jacques-Emile Ruhlmann, oder jenen der Silberschmiede Jean Puiforcat und Tatard, hält sich die Ornamentierung zugunsten klarer Formen und der reinen Oberflächenwirkung der Materialien zurück. Bei Porzellan- und Keramikdekoren, Stoffen, Plakaten und auch bei Bucheinbänden kontrastieren starke, reine Farben miteinander.

Ein Beispiel für eine geschlossene Stadtanlage im Stil des Art Deco ist Napier (Neuseeland) das in den dreißiger Jahren nach einem Erdbeben wieder aufgebaut wurde.

Das Berliner Renaissance-Theater ist das einzige vollständig erhaltene Art-Deco-Theater Europas.

Dem Art Deco bereitete der Zweite Weltkrieg in Europa ein jähes Ende; die Stimmung der unmittelbaren Nachkriegszeit war solchem Luxus nicht gemäß.

 
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